Engie ebnet Weg für neue Anbauflächen in der besetzten Westsahara
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Marokko hat eine weitere Ausschreibung zur Vergabe von mehr als 1.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in der besetzten Westsahara veröffentlicht, die durch das französische Unternehmen Engie urbar gemacht wurden. Diese Erweiterung der Agrarfläche erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU erwägt, den rechtswidrigen Handel mit dem Gebiet auszuweiten.

16. Juli 2026

Marokko hat eine dritte Ausschreibung zur Verpachtung von mehr als 1.090 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in der besetzten Westsahara veröffentlicht. Damit erweitert die Besatzungsmacht das Gebiet, das durch das umstrittene Meerwasser-Entsalzungsprojekt in Dakhla bewässert werden soll, das mit erneuerbarer Energie des französischen Konzerns Engie betrieben wird.

Die marokkanische Agentur für landwirtschaftliche Entwicklung (ADA) gab die neue Ausschreibung für eine öffentlich-private Partnerschaft am 29. Juni 2026 bekannt (Download hier) . Sie umfasst 35 landwirtschaftliche Projekte auf einer Fläche von 1.090 Hektar staatseigenem Land in der Gemeinde Bir Anzarane südlich von Dakhla (Download hier). Die Angebotsfrist läuft bis Ende August. Die Flächen werden im Rahmen des staatlichen Bewässerungsprojekts auf Basis von entsalztem Meerwasser langfristig verpachtet.

Den Ausschreibungsunterlagen zufolge sind die neuen Parzellen Teil des insgesamt 5.000 Hektar großen Bewässerungsgebiets, das durch das Entsalzungsprojekt in Dakhla geschaffen wurde. Von den Investoren wird erwartet, dass sie sich in erster Linie auf den Gemüseanbau konzentrieren, wobei Gartenbaukulturen mindestens 70 bis 75 Prozent der Anbaufläche einnehmen müssen.

Die Ankündigung markiert einen weiteren Schritt beim Übergang des Entsalzungsprojekts von Engie in kommerzielle landwirtschaftliche Produktion.

Western Sahara Resource Watch (WSRW) hat bereits zuvor dokumentiert, wie Strom aus dem Windpark von Engie für die Entsalzungsanlage bestimmt ist. Diese soll den Ausbau der industriellen Landwirtschaft in der besetzten Westsahara um weitere 5.000 Hektar ermöglichen. Ohne das Entsalzungsprojekt wäre ein großflächiger Anbau in diesem trockenen Gebiet nicht möglich.

Die marokkanischen Besatzungsbehörden vergeben die neu bewässerten Flächen nun an landwirtschaftliche Investoren und binden die besetzte Westsahara damit weiter in Marokkos exportorientierte Agrarwirtschaft ein. Die Projekte werden weitere marokkanische Siedler:innen dazu anregen, sich in dem Gebiet niederzulassen, was äußerst kontrovers betrachtet wird.

Der Zeitpunkt der Ausschreibung ist bemerkenswert.

Die Ausweitung erfolgt zu einer Zeit, in der die Europäische Union versucht, einen neuen Rahmen für die Handelsbeziehungen mit Marokko zu schaffen – nachdem der Gerichtshof der Europäischen Union entschieden hat, dass Handelsabkommen zwischen der EU und Marokko ohne die Zustimmung des sahrauischen Volkes nicht auf die Westsahara angewendet werden dürfen.

Gleichzeitig haben sich europäische Landwirt:innen wiederholt über den ihrer Ansicht nach unlauteren Wettbewerb durch marokkanische Obst- und Gemüseexporte beschwert, darunter auch Erzeugnisse aus der besetzten Westsahara. Der Ausbau von Tausenden Hektar bewässertem Gartenbau in dem Gebiet wird diese Bedenken noch verstärken.

Marokko hat nun drei Ausschreibungsrunden im Zusammenhang mit dem Entsalzungsprojekt veröffentlicht – die erste im Jahr 2022, die zweite im Jahr 2024 – und vergibt schrittweise Flächen, die bis vor kurzem noch nicht für intensive Landwirtschaft geeignet waren. Allein die jüngste Ausschreibung betrifft 35 einzelne Projekte, die von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben bis hin zu großen, gebündelten Erschließungsprojekten reichen und sich alle in Bir Anzarane in der besetzten Westsahara befinden.

Diese Entwicklung verdeutlicht, wie das Engagement ausländischer Unternehmen im Bereich der Energieinfrastruktur die langfristige wirtschaftliche Integration der besetzten Westsahara in Marokko vorantreibt – trotz der anhaltenden Besatzung des Gebiets und des wiederholten Widerstands des sahrauischen Volkes gegen die Ausbeutung seiner natürlichen Ressourcen ohne dessen Zustimmung.

WSRW hat sich mehrfach schriftlich an Engie bezüglich seines Entsalzungsprojekts im besetzten Gebiet gewandt, ohne Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. Unsere Korrespondenz finden Sie hier.

 

 

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